Objektiv



Das Geheimnis schöner Diaabende


Wer kennt sie nicht, die Diaabende der Freunde. Sie dauern zwei Stunden und länger. Auch wenn Island ein beeindruckendes Land ist, für den der nicht da war, vermag auch das 100te Detail auf dem 1000en Dia nicht die Stimmung vermitteln, wie sie der Reisenden erlebt hat. Ja, es sind Vulkane, Geysire, endlose Landschaften abgebildet. Und doch versprechen die Worte oft mehr als dann die meisten Durchschnitts-Fotos zeigen. "Es war so beeindrucken!" "Ihr müsst unbedingt selber da hin!"

Das offensichtlicheste Manko ist natürlich meist die Länge des Vortrags, die der geringen Fülle an interessantem Bildinhalt nicht gerecht wird. So sollte man also am besten nur die 100 besten der 1000 geknipsten Fotos zeigen.

Ein häufiger Fehler ist auch, dass Bilder gezeigt werden, mit denen nur der Reisende etwas verbindet. Klar, man will alles fotografieren, weil jeder Moment beeindruckend war. Viele neigen zur kompletten Dokumentation. Wie war der Ablauf der Reise? Was haben wir jeden Abend gegessen, ... Schön und gut, wenn man das macht. Villeicht schaut man sich diese Fotos in 10 Jahren wieder im vollen Umfang an. Wenn man sich motivieren kann. Aber das gehört nicht in den Diaabend.

Die Lösung ist wirklich einfach: Reduktione, Reduktion und nochmals Reduktion. Wer es nicht übers Herz bringt, Fotos aus dem Vortrag zu löschen, geht am besten rückwärts vor: Wenn ich nur 1 Foto zeigen dürfte, welches wäre das? Es ist nicht unbedingt das Repräsentativste. D.h., nicht das Strandfoto von Mallorca, nicht die Große Mauer von der Chinareise, nicht unbedingt der Eiffelturm von Paris. Graben Sie die Perle aus. Was hat man noch nicht gesehen? Und vor allem, was ist das ansprechendste, beeindruckendste Foto? Jeder weiß, wie der Eiffelturm aussieht. Doch kaum einer wird sich länger an dieses Foto aus ihrem Vortrag erinnern.

Wenn Sie das beste Foto gefunden haben, fügen sie die nächsten zwei Besten hinzu. Und so weiter, bis Sie bei 50, höchstens 100 Bildern angelangt sind. Halten Sie die 9900 anderen Fotos in Ihrem persönlichen Verzeichnis unter Verschluß. Machen Sie diesen nur auf Anfrage der Zuschauer auf. Und holen Sie dann höchstens 1 Foto da raus.

Natürlich macht es Sinn, die Bilder in eine Reihenfolge zu bringen. Aber versuchen Sie nicht, streng den Ablauf der Reise zu rekonstruieren. Besser sind Kategorien wie Essen, Chaos-Verkehr, Menschen. Nicht etwa Montag früh, Montag Mittag, Montag abend, Dienstag früh.... Selten bietet jeder Tag so viel Spannendes für die Zuschauer, wie Sie in Erinnerung haben.

Weiter Gestaltungsmittel eines perfekten Diaabends können sein:

Andere Sinneskanäle ansprechen

Bringen Sie Handwerkskunst, Gewürze, Souveniers mit, die Sie in der Runde herumreichen können. Viele Kameras und Handys bieten Möglichkeiten zur Audioaufnahmen. Führen Sie Ihren Zuschauern die Akkustik eines Straßenbasars, streitende Chinesen, Möwenkreischen vor. Auch hier gilt: in der Kürze liegt die Würze. Ein Audioclip sollte höchstens 30Sek lang sein. Besser kürzer. Schneiden Sie das Wesentliche zusammen. Ein kostenloser und sehr umfangreicher Audioeditor ist Audacity.

Interaktion

Stellen Sie Ihrem Publikum Fragen: Was glaubt ihr, wie viele Einwohner Neu-Dehli hat? Wie viel Wasser fließt in einer Minuten die Niagarafälle hinunter? Sie können im Vornhinein einige interessante Fakten recherchieren. Spielen Sie "Wer wird Millionär". Das unterhält die Zuschauer wirklich. Leute lieben es zu raten und sich selbst einzubringen. Sie könnten sogar Süßigkeiten verlosen, an denjenigen der am nächsten an der Antwort liegt. Klar, Sie wollen nicht Günther Jauch nachahmen. Aber 2-3 Publikumsfragen lockern den Abend schon sehr gut auf. Und weckt gähnende Zuschauer.

Inhalt und Stimme

Sparen Sie an Worten. Erzählen Sie wirklich nur das Spannendste. Lassen Sie sich nicht mehr als 30 Sekunden pro Bild Zeit. Das Auge verlangt auch Abwechslung. Wenn diese nicht gegeben ist, wandern die Gedanken und der Vortrag wird langweilig. Wir sind durch Film und Fernsehen verwöhnt. Die längste Einstellung im Film ist ca. 10 Sekunden lang. Erstaunlich? Selbst bei gemächlichen Landschaftsaufnahmen. Stoppen Sie die Zeiten, wenn Sie es nicht glauben. In Action-Szenen sind es z.T. nur 1-2 Sekunden. Und bei MTV-Musikspots, die ganze Zeit nur 2-5 Sekunden.

Wie auch immer. Vermeiden Sie sich an einem Bild festzufressen, nur weil Ihnen spontan noch 1000 weitere Details einfallen! Klar, der Strand ging rechts vom Bild noch weiter und 1 Stunde nach dem Sonnenuntergang war's dunkel. Am schlimmsten sind banale Details.

Sprechen Sie Ihren Vortrag mindestens einmal durch und messen Sie die Zeit. Sicher sind Sie überrascht, wie lange Sie gebraucht haben. Ich halte regelmäßig Kurzvoträge. Auch wenn ich schon weiß, daß ich mich sehr kurz und präzise fassen muß, ist das erste Mal Durchsprechen meist 2-3 mal so lang, wie der Vortrag sein darf.

Das sind die ersten Schritte zum perfekten Diaabend. Vor allem also Reduktion.
Viel wichtiger sind natürlich die Fotos selbst. Auch die 100 besten Fotos sollen nicht zum Gähnen verleiten. Dann lieber doch nur die 10 besten zeigen. - Schade? - Ja. Aber Sie könne lernen, interessante und beeindruckende Fotos zu machen. So dass sie eines Abends eine wirklich unterhaltsame Stunde füllen, und die Freunde gerne zu einem weiteren Reisebericht kommen.



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