Objektiv



Wie man lernt, ansprechendere Fotos zu machen


In meinen Tutorien werde ich noch viele spezielle Tips geben, wie man ein bestimmtes Motiv in Szene setzen kann oder wie man konkret mit Licht umgehen kann. Doch bevor ihr neue Ratschläge von anderen Leuten auflest, könnt ihr noch viel grundlegender vorgehen. Nehmt euch ein Stapel eurer alten Fotos her. Am besten über ein Jahr alt, die ihr eine Weile nicht gesehen habt. Was fällt euch auf? Was gefällt euch? Welche Fotos findet ihr eher langweilig? Am eigenen Material kann man am besten lernen. Einfach, weil man sieht, was man fabriziert, und dann eventuelle Problem gezielt angehen kann. Vielleicht erkennt man einen häufig gemachten Fehler. Kommt das eigentliche Hauptmotiv nicht zur Geltung? Ist es unterbelichtet im Vergleich zum Rest? Wirken Landschaftsaufnahmen uninteressant, vielleicht zu flach?

Es gibt tatsächlich Forscher, die untersuchen Expertentum. Und das über verschiedene Disziplinen. Eine wichtige Erkenntnis ist, daß Expertentum nicht durch einen guten Ruf von alleine kommt, oder das Experten nicht unbedingt gut reden und sich darstellen können. Fachleute werden zu echten Experten auf ihrem Gebiet, weil sie immer gezielt an sich arbeiten. Sie analysieren ständig was ihre Schwächen sind und versuchen diese zu verbessern. Und das jahrelang.

Das könnt ihr auch mit euren Fotos machen. Selbst, wenn ihr schon recht gut seid, und Lob von Angehörigen erntet. Analysiert ständig eure Fotos, und erkennt Chancen zur Verbesserung. Nicht nörgeln und überkritisieren, sondern das Ziel ist, besser zu werden.

Gleich kommt ein noch besserer Tip. Ich will vorher nur noch den Unterschied darstellen zwischen einem der jahrelang schon Fotos macht und einem der sich jahrelang darin verbessert.

Jeder von uns kann am Computer tippen. Viele haben vor Jahren angefangen damit und sich damals vom 1-Finger-1-Wort-pro-Minute-System hochgearbeitet. Nach 1-2 Jahren ist man beim typischen 4-5-Fingersystem und 60 Wörtern pro Minute angelangt. Obwohl viele schon 5 und mehr Jahre damit arbeiten, ist kaum einer durch dieses ständige Training besser geworden. Warum? Weil das kein echtes Lernen, sondern nur ausführen, nur Abspielen von Automatismen ist. Wirklich besser wird man nur durch Sich-bewußt-machen. Sich konkrete Dinge hernehmen und diese gezielt verbessern. Z.B. beim Tippen den kleinen Finger für die Shift-Taste dazu zu nehmen und so auf 70 Wörter pro Minute zu kommen. Oder zukünftig bewußt auf die Ausleuchtung des Hauptmotivs zu achten.

Genug zur Expertentheorie. Ich langweile euch schon.

Hier nun der Tip. Sucht Fotos von Fotowettbewerben heraus. Findet darunter eins oder mehrere, die ein Motiv ablichten, was eins eurer Motive ähnelt. Klar, kaum einer wird ein Foto einer bosnischen Kirche oder des amerikanischen Präsidenten haben. Das kann aber schon einfach nur irgendein Baum sein. Ein Haus, ein Mensch. Haltet die Fotos nebeneinander und analysiert. Wie habt ihr das Motiv in Szene gesetzt? Wie der Foto-Experte? Was macht das Foto des Experten spannender, interessanter? Notiert mindestens 3 Dinge, die ihr hättet besser machen können. Das heißt nicht, daß ihr den Stil des Fotografen kopieren müßt. Es reicht schon, 2-3 Anregungen zu finden. Das kann z.B. sein: Asymmetrische Ausrichtung des Motivs, ungewohnte Perspektive, andere Brennweite, ...

Geht so viele Bilder wie möglich durch. Stellt euch ein Repertoire an typischen zu vermeidenden Fehlern und an neuen Gestaltungsmitteln zusammen. Viele sagen vielleicht, ich will aber nicht immer wieder asymmetrisch fotografieren, das wird langweilig. Oder immer wieder aus der Froschperspektive. So wie Hollywood-Filme oft nach dem gleichen Rezept gekocht werden, und wiederkehrende Witze und Elemente (der viel-zitierte Matrix-Stil) zum gähnen verleiten.

Halt! Sag ich da. Bei der bisherigen Fotogestaltung unterlaufen auch immer wieder die gleichen Fehler, die Langeweile hervorrufen. Wollt ihr so weitermachen? Wie gesagt, es geht darum, langweilige Elemente und Fehler zu entfernen und das Repertoire zu erweitern. Das heißt nicht immer wieder Asymmetrie, bis es keiner mehr sehen kann. Das heißt aber, auch Asymmetrie bei der Gestaltung in Erwägung ziehen. Fotos sind auch deswegen langweilig, weil man keine Ideen hat zur Gestaltung und immer nur Frontalperspektive und Symmetrie etc. wählt.



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