Maksim Sidorov
Immer wieder lese ich Reviews und
Beurteilungen von DSLR-Kameras, mit denen kaum ein
"Normalsterblicher", der nicht seit Jahren ständig (so wie ich),
immer neuere und bessere Modelle haben möchte, etwas anzufangen
vermag. Wenn es heißt, eine Kamera hat 12 Megapixel so mögen das die
meisten Menschen wohl noch verstehen. Aber wie soll jemand, der nicht
das technische Knowhow eines Semi-Profis oder eines Profis in Sachen
Digitalkameras hat, das ganze technische Gerede über ISO,
Bildrauschen, CMOS-Bildsensor im APS-C-Format, AF (Autofokus),
Visual-Noise oder DIGIC 4-Prozessor verstehen können? Ohne tagelang
eine Suchmaschine nutzen zu müssen? Nachdem ich mir nun also die
EOS 60D gekauft habe (meine Frau war wieder einmal NICHT
sonderlich begeistert), fasste ich also nun den Beschluss einen etwas
anderen Canon EOS 60D Test durchzuführen und ein Review für alle
"Normalsterblichen" zu schreiben. Ich hoffe, dass ich hiermit allen
Hobbyfotografen helfen kann, die wirklich nur eine gute
Spiegelreflexkamera suchen, um qualitativ hochwertige Fotos machen zu
können, ohne sich das Wissen des Herstellers oder eines
Fotojournalisten aneignen zu müssen.
Nach vielem Hin und Her, erst über das richtige Urlaubsziel (diese
Diskussion hat meine Frau gewonnen), und noch mehr hin und her über
eine neue Kamera (diese Diskussion habe ich gewonnen), ging es
also los. Als Norddeutscher aus der Marsch der das Jahr über nicht
allzu viele Berge sieht, in den Harz. Urlaub gebucht, vorbereitet und
losgerannt die neue Kamera zu besorgen. Mein diesmaliges Wunschmodell
war die besagte Canon. Mit einem Preis von knapp unter 1000 Euro, ist
die 60D nicht mein teuerstes Kameramodell, aber als Sammler (andere
Menschen sammeln halt Briefmarken), wollte ich sie nun mal haben. Sie
ist übrigens direkter Konkurrent zu
Nikons D7000 Spiegelreflex, die ich auch
getestet habe. In Sachen Preis und Qualität spielen beide in der
gleichen Liga.
Um die Techniker hier zu beruhigen, werde ich
die wichtigsten Eigenschaften der Canon einmal kurz auflisten.
Foto: Christer Johansson
Ich will hier keine Urlaubsgeschichten erzählen, also beginne ich
einfach damit, wie ich die Kamera zum ersten Mal nutzte.
Ausgepackt und mit dem beigelegten Schulterriemen umgehängt. Die 60D
liegt gut in der Hand und fühlt sich wertvoll an. Die Verstrebungen
sind aus Aluminium und gegen Wind, Wetter und Staub ist die Kamera
mit Dichtungen abgeschottet. Dass die wichtigen Teile leider nur aus
Kunststoff sind, sehe ich als akzeptablen Makel an, da niemand auf
die Idee kommt, mit einer DSLR-Kamera wie mit einem Sandsack
umzugehen. Bei der Canon werden alle Modi über Einstellräder
gesteuert. Das ist schnell, einfach und unkompliziert. Die ersten
Fotos von den wunderschönen Landschaften im Harz sind supergelungen
und durch die hohe Auflösung der 60D können sogar noch Einzelheiten,
von weiter entfernten Motiven gut ausgemacht werden. Der Auslöser
arbeitet schnell und bei den ersten Versuchen von Fotos in Serie
bestätigten sich die für die 60D angegebenen 5 Bilder pro
Sekunde (RAW und JPEG). Bei JPEG bleibt die Geschwindigkeit stets
konstant, bei RAW-Aufnahmen nimmt sie nach 3 Serien etwas ab, ist
aber noch im Rahmen.
Beim Testen der Canon fiel mir auf,
dass selbst bei schwierigen Lichtverhältnissen die Fotos der Canon
EOS 60D sehr hochwertig sind. Das schwenkbare Display der Kamera
hilft, bei "komplizierten" Aufnahmen (beispielsweise die Kamera über
Kopf hebend), das Motiv gut im Blick zu behalten.
www.killerwal.com
Zwar hatte ich meinen Camcorder mit in den
Urlaub genommen, aber um wirklich die Canon ausgiebig zu
testen, gehört auch die "Movie-Funktion" dazu. Also ging es an einem
Tag in ein Bergwerkmuseum mit Rundgang im Stollen. Es ist wirklich
bemerkenswert, was eine Fotokamera heutzutage in Sachen
Full-HD-Movies zustande bringen kann. Die Bilder der 60D sind
klar und dank des eingebauten Mikrofons ist auch die Aufzeichnung von
Ton möglich. Wenn auch nicht in Dolby-Digital... Dieses und der
interne HDMI-Anschluss machen aus meiner Sicht die Anschaffung eines
Camcorders überflüssig, wenn man die Kamera als "Allzweckwaffe" für
Familie, Freizeit und Urlaub nutzen will. Durch das große Objektiv im
Vergleich zu normalen Camcordern sowie den größeren Bildsensor ist
die Canon auch sehr lichtstark. Das ist natürlich ein Vorteil im
Stollen, oder beim Lagerfeuerabend.
Zum Vergrößern auf das jeweilige Bild clicken.
Benjamin Janecke |
Benjamin Janecke |
MKFI |
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MKFI |
Filip B |
Bidgee |
Alle Bilder wurden mit der EOS 60D gemacht, sind aus der Wikimedia Bibliothek und stehen unter der Creative Commons Lizenz.
www.killerwal.com
Mein persönlicher Eindruck beim Test der Canon ist durchweg
positiv. Oftmals lese ich die Reviews von angeblichen Käufern und
frage mich, wie ein "einfacher" Kunde so viel Fachwissen an den Tag
legen kann, ohne Profifotograf zu sein. Und mal unter uns. Wer will
das eigentlich alles wissen? Bei einem Preis von knapp unter 1000
Euro will ich, als Kunde, als erstes erfahren ob die Kamera das
leisten kann, was sie für ihren Preis leisten muss. Ist es wirklich
für mich wichtig zu wissen, ob eine Kamera ISO 12000 hat oder ISO
18000, wenn sie Fotos von der gewünschten Qualität liefern? Ich denke
nicht. Und die Canon liefert hochqualitative Fotos, ist gut
in Bedienbarkeit, gut ausgestattet und meines Erachtens jeden Euro
wert, der für sie bezahlt wurde. Der einzige Nachteil, der aber für
den Normalsterblichen kaum ein Rolle spielen sollte, ist, dass die
Geschwindigkeit der Serienaufnahmen im RAW-Format nach mehreren
Serien etwas nachlässt. Aber alle anderen Merkmale machen diesen
kleinen Manko allemal wett. Wenn Sie also als "Hobbyfotograf- und
Filmer" auf der Suche nach einer guten DSLR-Kamera sind, könnte die
60D die erste Wahl für Sie sein. Aber vertrauen Sie nicht nur
meinem Urteil. Bei Amazon gibt es bereits über 100 ehrliche
Kundenbewertungen, mehr objektive Praxiserfahrungen wird man kaum im
Internet finden.
Wer eine halbe Liga weiter unten spielen
will, vor allem preislich, der sollte sich mal meinen
Testbericht der Canon 550D anschauen.
Als Kit inklusive Standard-Reise-Zoom (18-55mm) geht sie bei etwa 600€ los.
Als Einsteiger in Sachen Canon ist man gut beraten, sich ein Kamera-Kit zuzulegen, also eine Kombination aus Kameragehäuse (Body) und Objektiv. Auch bei der 60D werden hier Reise-Zoomobjektive mit typischem Brennweitenumfang kombiniert, die genug Flexibilität für die meisten Situationen bietet. Jeder kann ein bißchen mehr in seinen Lieblingsbrennweitenbereich gehen: Canon 60D Kit EF-S 18-55mm, 18-135mm und 17-85mm. Alle Objektive verfügen über Canons Bildstabilisator ("Image Stabilizer System", IS), der sehr zuverlässige Dienste leistet. Laut Hersteller ist es damit möglich, um vier Stufen längere Verschlußzeiten zu wählen, ohne daß die Bilder verwackeln. Das deckt sich im wesentlichen mit meinen Erfahrungen. Wer nicht gerade aus dem fahrenden Auto fotografiert, kann bei sonst schon zu dunkler Umgebung noch gut mit dem natürlichen Licht arbeiten. So gelingen Schnappschüsse, wo es schnell gehen muss, sehr zuverlässig. Ein Blitz ist in Innenräumen oder Dämmerlicht noch nicht nötig, so dass sich sehr gut die natürliche Atmosphäre einfangen lässt.
Mehr Details und jede Menge Kundenbewertungen der Kits gibt's bei Amazon.
Das Standardzoom EF-S 18-55mm im 60D Kit hat einen Nahstellbereich bis 25cm und ist mit der kleinsten maximalen Blendöffnung von 3,5 schon recht lichtstark, was sich sehr positiv auf die Schärfe der Bilder auswirkt. Wie schon bei den Nikon D7000 getesteten Objektiven, arbeitet der Autofkus bei lichtschwächerer Umgebung dadurch auch schneller. So ist noch lange eine fast verzögerungsfreies Knipsen möglich. Auch wenn das Objektiv allein schon recht preiswert zu erwerben ist (Preis ca. 110 Euro), macht es doch einen solide verarbeiteten Eindruck. Natürlich kann man aber bei dem Preis nur solide Einsteigerqualität erwarten. Die Leistung der 60D wird man damit nicht komplett ausreizen. So fallen in extremen Brennweiten ganz leicht unscharfe Randbereiche auf. Dennoch, dem Geldbeutel des Einsteigers wird die Faustregel, dass Kamera und Objektiv etwa gleich teuer sein sollten, ergo gleich "gut", nicht ganz schmecken. Für ihn ist dieses Kit also ein angemessene Wahl.
Maksim Sidorov
Wer einen größeren Brennweitenbereich
möchte, um damit für mehr Situationen gewappnet zu sein, der sollte
mit dem Kit EF-S 18-135mm liebäugeln. Auch wenn da etwas mehr Gewicht
getragen werden muß. Das Kit EF-S 18-135 macht ebenso einen
soliden und zuverlässigen Eindruck. Im Telebereich kommt es zu
leichter Vignettierung (schattige Bildränder) sowie leichter
Verzeichnung (tonnenförmig). Letzteres fällt aber nur auf, wenn
geometrische Objekte fotografiert werden (Kacheln, Säulen), und kann
ganz gut mit der mitgelieferten Software "Digital Photo Professional"
korrigiert werden. Letzten Endes macht es für gewöhnlich also kaum
Probleme.
Das Kit 17-85mm habe ich nicht getestet, aber es hat ein
Bißchen mehr Weitwinkelbereich (17mm statt 18mm) und mehr Tele als
das 18-55. Qualitativ spielt es sicherlich in der gleichen Liga wie
die anderen Modelle, so dass man es dem Einsteiger empfehlen kann.
Zusätzlich zu Body und Objektiv werden bei den Canon Kits in der
Regel noch geliefert: Augenmuschel, Bajonett-Deckel, Akku,
Akkuladegerät, Schulterriemen, AV-Kabel und USB-Kabel.